Schlaganfall (Zitate) Erkennen - Rehabilitation - Vorbeugung
Aus dem Buch Schlaganfall von Prim.Dr.med. Michael Hessinger, Univ.-Prof.Dr.med.Günther Erich Klein, Prim.Dr.med.Walter Kreuzig, Dr.med.Edmund Pabst, Univ.-Prof.Dr.med.Kurt Tiesenhausen
Etwa alle 25 Minuten, somit über 20.000-mal jährlich, ist ein Österreicher mit der Diagnose Schlaganfall konfrontiert. In der Todesfallstatistik nimmt der Schlaganfall nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebserkrankungen die dritte Stelle ein. Etwa ein Drittel aller Schaganfallpatienten muss mit einer eingeschränkten Selbstständigkeit rechnen, ein Drittel erlangt Selbstständigkeit mit Einschränkung einer Fähigkeit und nur ein Drittel der Betroffenen wird wieder ganz gesund.
Wenngleich noch immer viele Fragen offen sind, so wissen wir heute doch mit Gewissheit, dass das Gehirn nach einer Schädigung auch noch im hohen Alter die Fähigkeit besitzt, sich zu regenerieren und neu zu lernen.
..... Diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse revolutionieren die These, es gäbe kein Nachwachsen von Nervengewebe. Sie bedeuten aber nicht, dass sich unser Gehirn von selbst zu heilen vermag, und man so wie nach einem Knochenbruch nur warten müsse, bis die Besserung eintritt. Um die neurale Plastizität anzuregen und in die richtige Bahn zu lenken, ist von Anbeginn an nach einer Schädigung das richtige und konsequente Lernen erforderlich. Denn wie bei einer sportlichen Tätigkeit oder dem Beherrschen eines Musikinstrumentes oder einer Fremdsprache kann unser Gehirn nur richtig wiedergeben, was ihm entsprechend eingelernt wurde.
Nach einer Schädigung, wie einem Schlaganfall, gilt auch für nur vermeintlich einfache Tätigkeiten wie das Wiedererlernen von Stehen, Gehen, Schlucken, Sprechen.
Treten Schlaganfälle in jenen Regionen auf, die für die Funktion der Sprechmuskulatur verantwortlich sind, kann es zu Lähmungen oder Koordinationsstörungen jeder Muskeln, die vorwiegend im Bereich der Wangen, Lippen, der Zunge und des Gaumens lokalisiert sind, kommen. Logopäden erarbeiten mit den Patienten Übungen, die eine Verbesserung der Mundmotorik, der Atemtechnik, aber auch der Körperhaltung zum Ziel haben.
Lähmungen der Armmuskulatur treten häufig nach Schlaganfällen im Versorgungsbereich der mittleren Hirnarterie auf und sind dann oft ausgeprägter als die Lähmung des Beines. Die Vielfalt der möglichen Bewegungen im Schulter-Ellenbogen-Handgelenk und in den zahlreichen Fingergelenken macht die Rehabilitation des gelähmten Armes schwieriger als die des Beines, und auch das Ergebnis vor allem der Handfunktion und der entsprechenden feinmotorischen Fähigkeiten ist nicht immer befriedigend. Bei kompletter Lähmung stehen passive Therapien, die Anwendung automatisierter Armtrainer, die Anwendung der Spiegeltherapie, bei der dem Gehirn durch Spiegelung die aktive Bewegung des gesunden Armes als die des gelähmten "vorgetäuscht" wird, sowie bewusste Bewegungsvorstellungen zur Verfügung. Genannt seien auszugsweise der MIT-Manus für Schulter und Ellbogenbewegung, der Bi-Manu-Track und der Pablo für die Handgelenksbewegung sowie der Amadeo für die Fingermotorik.
Regelmäßiger Ausdauersport fördert nicht nur das körperliche Wohlbefinden sondern schützt auch vor Alzheimer, Depressionen und Schlaganfall. Sportliche Betätigung verringert zahlreiche Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen und stellt eine gute Altersvorsorge dar. Es lohnt sich somit, in jedem Lebensalter mit dem Sport zu beginnen. Für den Körper scheint eine Kombination mehrerer Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Laufen günstig zu sein.
Zur Verhinderung des Schlaganfalls wird eine gesunde, obst- und gemüsereiche Kost bzw. eine mediterrane Ernährung empfohlen. Eine ausgewogene Kost ist ein wichtiger Grundpfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden. Das Grundprinzip lautet dabei: viel trinken, viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte, fettarme Milch und Milchprodukte, mäßig Fleisch und Wurst, weniger Fett, Zucker und Salz.